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1 Sekunde an Sensation vorbei!

Herren2 Reporter 23.07.2020

Die zweite Mannschaft von Unihockey Fricktal spielte im Rahmen eines Testspiels gegen das Frauen NLA-Team des UHC Laupens. Dabei stellten sich die Fricktaler gar nicht mal so schlecht an, auch wenn der (hochverdiente) Ausgleichstreffer der Züricherinnen eine Sekunde vor Schluss eher in die Kategorie "das hätte nun nicht unbedingt sein müssen" fällt.

Eigentlich hätte der Titel dieses Berichts auch s'Zwöi isch zrugg heissen können, nach einjähriger Meisterschaftsabsenz stellt Unihockey Fricktal wieder eine zweite Herren-Grossfeldmannschaft, welche sich ab September in der 4. Liga mit den regionalen Gegnern misst. Doch primär geht es in diesem Artikel um die verpasste Chance, erstmals ein NLA-Grossfeldteam zu bewingen. Doch der Reihe nach.
Als die Fricktaler an diesem schwül-heissen Mittwochabend die alterwührige Bustelbachhalle in Stein betraten, erinnerte sich wohl der ein oder andere ältere Spieler an das Jahr 2012 zurück, als vor Heimpublikum in einem heroischen Cupfight das NLB-Mannen von Zürisee Unihockey in die Knie gezwungen wurden (David besiegt Goliath, 2012, unihockey.ch). Und natürlich kamen die nun deutlich erfahrereren Spieler - Block 3 war zusammen mit Torhüter Siegenthaler weit über 200 Jahre alt - an diesem 22. Juli 2020 mit der Absicht nach Stein, dieses Meisterstück zu wiederholen und sich so ab sofort NLA-Bezwinger nennen zu dürfen.
Gegner war das Frauenteam des UHC Laupens, welches in dieser Woche ein Trainingsweekend im schönen Fricktal abhält. In der abgebrochenen Corona-Saison qualifizierte sich das Team um Trainer Yves Kempf als Tabellensiebter für die Playoffs, scheiterte dort dann in drei Spielen an Qualisieger piranha chur.

Zwar gewannen die technisch versierten Laupenerinnen das erste Bully und liessen den Ball geschickt in den eigenen Reihen zirkulieren, doch die erste richtige Torchance gehörte den Fricktalern: U16-Verstärkungsspieler Ivan Habegger hatte die Möglichkeit, die Fricktaler in Führung zu schiessen, sein Abschluss verfehlte das Ziel nur knapp. In der Folge fanden die 4. Liga Herren nur selten Lösungen gegen die gut stehenden Gegnerinnen, doch immerhin hielt auch die Fricktaler Verteidigung ganz gut mit, und bei Bedarf war Torhüter und Rückkehrer Patrick Siegenthaler - vor Jahren lief er noch als Verteidiger auf - zur Stelle. So war es nach einem Pass in den Slot ein gegnerisches Bein, welches für das 1:0 der Fricktaler verantwortlich war. Mit diesem Spielstand retteten sich die Fricktaler in die erste Pause. In dieser zeigte sich, wie gross der Unterschied dieser beiden Teams wirklich war: Während der Coach des UHC Laupens seine Frauen mit klaren Worte wachrüttelte und aufzeigte, wie das Fricktaler System umspielt werden kann (haben wir ein System?), beschränkte sich Coach ad interim Dominique Dubé Schneylin auf die Bekanntgabe des Spielstands zwischen dem FC Basel und St. Gallen.
Die Pausenansprache des gegnerischen Trainer hatte ihre Wirkung nicht verfehlt und der Klassenunterschied war nun deutlich zu sehen. Laupen konnte so den Spielstand schnell ausgleichen und es war Torhüter Siegenthaler zu verdanken, dass es vorerst so blieb. Zwischendurch konnten sich auch die Fricktaler wieder aus der Umklammerung lösen. Immer besser ins Spiel kam dabei der ehemalige Captain Roland Zellweger, welcher erst kurzfristig für dieses Spiel zugesagt hatte, warscheinlich fand er seinen Stock nicht früher. Er war es, welcher seine Farben mit einem platzierten Weitschuss wieder in Führung schoss. Seine persönliche Bilanz von einem Tor und 2 Assist lässt darauf hoffen, dass er in Zukunft wieder regelmässiger in der Halle anzutreffen sein wird. Und nachdem Jan Dörr nach gefühlten 100 Schüssen an die Hallendecke tatsächlich das Tor traf und sich Reto Waldmeier, welcher für dieses Spiel des Lebens extra seinen Diensteinsatz abgetauscht hatte und gegen die U19-Natitorhüterin Corinna Bluzet einnetzen konnte, schien die Sensation möglich.
Leider wurde vor dem Spiel vereinbart, sich nicht wie in der 4. Liga üblich mit 2x20 Minuten zu begnügen, sondern ein weiteres Drittel anzuhängen. In diesem zeigte sich dann, dass das Sommertraining der 4. Ligaherren wohl etwas zu hart war und eine mehrtägite Ruhephase vor dem Spiel von Vorteil gewesen wäre. Die spritzigeren Gegnerinnen - man merkte ihnen kaum an, dass sie bei diesen Temperaturen bereits den ganzen Tag trainiert hatten - konnten das Score so wieder ausgleichen. Die Geschichte des dritten Drittels ist schnell erzählt, beide Teams kamen zu guten Chancen, welche auch immer wieder in Tore umgemüntzt werden konnten. Die genaue Torabfolge ist nicht protokolliert, doch als wenige Minuten vor Schluss die Fricktaler erneut in Führung gehen konnten, schien das Märchen wahr werden zu können. Währe da nicht die verflixte letzte Sekunde des Spiels gewesen. Man hätte es sich eigentlich denken können, was im Eishockey passieren kann (Schweiz-Kanada, 2019, SRF), ist auch im Unihockey möglich. Wie genau der sonst tadellose Torhüter der Fricktaler diesen Ball passieren lassen wird man nie herausfinden, leider (oder glücklicherweise?) sind von diesem Spiel keine Videoaufnahmen vorhanden. Der 7:7 Ausgleichstreffer war ein Stich mitten ins Herz der Fricktaler. Zum Glück willigten auch die Frauen aus Laupen ein, das Spiel mit diesem Resultat zu beenden, eine Verlängerung hätte für diverse Fricktaler Akteure - insbesondere den älteren Mannen der dritten Linie - wohl ernsthaftere gesundheitliche Auswirkungen gehabt, und vorallem hätte es nicht mehr für ein Bier gereicht.

Die Fricktaler bedankt sich beim gegnerischen Trainer für die gespendete Runde, beim Team aus Laupen für das spannende Spiel und wünscht weiterhin viel Spass im Busteli.
Das Endresultat ruft förmlich nach einer Wiederholung dieses Duells, unser Staff berät sich aktuell darüber, ob es nicht sinnvoller wäre, ab sofort auf das normale Unihockeytraining zu verzichten und jede Woche ein Testspiel gegen ein Frauen NLA-Team zu bestreiten.

P.S. Unbestätigten Quellen zufolge lief in den Garderoben der Song 7:7 - Züri West